Lehrerin arbeiten am Laptop

Die Digitalisierung lässt grüßen

Eine zeitgemäße IT-Ausstattung von Lehrerinnen und Lehrern durch den Freistaat auch

Im Juli 2020 weckte der bayerische „Schul-Digitalisierungsgipfel“ Hoffnungen, das Versäumnisse der Vergangenheit bei der Ausstattung und Digitalisierung der Schulen endlich behoben würden. Dass Lehrkräfte selbst 2021 noch auf private Laptops angewiesen sind, um den Unterricht zu organisieren, wirkt nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern offenbart auch eklatante Probleme bei Datenschutz, Wartung und Support. Doch die versprochene flächendeckende Versorgung mit Dienst-Laptops lässt auch ein halbes Jahr nach dem Schulgipfel auf sich warten. Immerhin die Rahmenbedingungen des Förderprogramms sind nun bekannt: insgesamt 92,8 Millionen Euro, davon kommen 77,8 Millionen Euro vom Bund, 15 Millionen Euro legt der Freistaat drauf. Für die Schulen in Erlangen sind davon 838.000 Euro reserviert, auf den Landkreis und die Kommunen im Landkreis Erlangen-Höchstadt kommen 690.000 Euro. Schulen in freier Trägerschaft erhalten ebenfalls eine Förderung. Das Geld reicht aus, um etwa zwei Drittel aller Lehrkräfte mit einem Dienstgerät auszurüsten.

Prinzipiell begrüßt Christian Zwanziger, grüner Landtagsabgeordneter für Erlangen und Erlangen-Höchstadt, diese längst überfälligen Zusagen. Die Kommunen hätten nun etwas Planungssicherheit und wüssten, was bei der Beschaffung auf sie zukomme. „Natürlich ist es frustrierend, wie zäh das Ganze läuft. Da enttäuscht der Bildungsminister mich auf ganzer Linie.“ Die Geräte, die jetzt während des Distanz- und Wechselunterrichts so bitter nötig wären, stehen voraussichtlich nicht vor dem Schuljahr 2021/22 zur Verfügung.

Kerstin Heuer, bildungspolitische Sprecherin der grünen Stadtratsfraktion und selbst Lehrerin, stellt ernüchtert fest: „Das Zeichen, dass der Freistaat mit dem Förderprogramm sendet, ist richtig und wichtig. Doch kommt es etliche Monate zu spät. Wenn sich die Lehrkräfte nicht schon längst privat mit der nötigen Technik für den Distanzunterricht ausgestattet hätten, wäre dieser von Anfang an unmöglich gewesen.“

Die grüne Kreisrätin Astrid Marschall, Mitglied im Schulausschuss, ergänzt: „Der Landkreis Erlangen-Höchstadt ist hier in Vorleistung gegangen und stattet die Lehrkräfte seiner Schulen schon lange vorbildlich aus. Mit dem Förderprogramm wird diese Leistung nun endlich vom Freistaat finanziert.“ Weil kleinere und weniger finanzstarke Kommunen sich das oft nicht leisten könnten, herrsche innerhalb der Schullandschaft in Erlangen-Höchstadt schon jetzt ein Flickenteppich. „Das führt zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Lehrkräften, die schlicht nicht hinnehmbar ist!“, so Marschall weiter.

Für Zwanziger weist das Programm ohnehin gravierende Lücken auf. Schließlich wälze der Freistaat beispielsweise nötige Lizenzen, Einrichtung, Wartung und Support auf die Kommunen und die Schulen ab. „Das kann für mich nur eines heißen: der Bildungsminister muss nachsitzen, bis die Hausaufgaben erledigt sind“ meint Zwanziger.

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